Loslassen ohne Verlust

Shownotes

Ich habe zwölf Jahre lang eine Bluse aufgehoben, die ich nie getragen habe. In dieser Folge erzähle ich, warum — und was das mit all den anderen Dingen zu tun hat, die wir festhalten, obwohl wir längst wissen, dass sie gehen dürften.

✨ Die Takeaways dieser Folge

  • Warum Loslassen und Verlieren nicht dasselbe sind
  • Was wir wirklich festhalten (Überraschung: nie die Sache)
  • Drei Dinge, die nach dem Loslassen sicher bleiben
  • Der „Ich darf"-Zettel – eine Übung, die alles umdreht
  • Mabon: warum Ernten und Abschied zusammengehören

💬 Zitat aus der Folge

„Verlust passiert dir. Loslassen entscheidest du."

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Transkript anzeigen

00:00:00: Hey, schön dass du wieder da bist.

00:00:04: Ich hab letzte Woche meinen Kleiderschrank ausgeräumt!

00:00:07: Nicht geplant sondern eher so aus Versehen.

00:00:10: Eigentlich habe ich was gesucht und dann kam mich da nicht dran... Und dann zack lag plötzlich alles auf dem Bett.

00:00:19: Und dabei ist mir eine Bluse in die Hände gefallen.

00:00:23: Dunkelgrün ziemlich schön und ziemlich teuer damals.

00:00:29: Ich habe sie ungefähr vor zwölf Jahren gekauft, für einen ganz bestimmten Anlass und dann nie wieder getragen.

00:00:37: Zwölf Jahre!

00:00:39: Und ich hab sie bei jedem Ausmisten wieder eingehängt.

00:00:43: Diesmal habe ich sie in der Hand behalten um mich gefragt warum eigentlich?

00:00:49: Sie passt nicht mehr weder von der Größe noch vom Stil.

00:00:54: Ich mag die Farbe schon gar nicht mehr.

00:00:56: Ich würde sie nie wieder anziehen Und trotzdem hat sie zwölf Jahre lang Platz bekommen.

00:01:03: Ich habe nicht die Bluse behalten, ich hab' die Frau behalten', die sie damals gekauft hat.

00:01:10: und ehrlich gesagt das machen wir nicht nur mit Kleidung!

00:01:16: Ich bin Annette und heute geht es um genau diese Frage... an dem Tag und Nacht gleichlang sind, die Herbsttage und Nachtgleiche.

00:01:44: Die Kelten haben ihn als zweites Erntefest gefeiert – und Mabon hat zwei Gesichter, die selten zusammen erzählt werden.

00:01:54: Es ist ein Dankfest für alles was gewachsen ist, was reif geworden ist, das man einfahren konnte… Und es ist gleichzeitig ein Abschied!

00:02:05: Ab morgen sind die Nächte länger als die Tage Das Licht geht.

00:02:12: Beides am selben Tag, beides ohne Widerspruch.

00:02:18: Ich finde das deshalb so passend weil wir es im Alltag fast nie hinbekommen.

00:02:23: Wir können entweder dankbar sein oder traurig Entweder feiern oder verabschieden Und wenn wir loslassen sollen denken wir automatisch an die traurige Hälfte.

00:02:38: Dabei kannst du nicht ernten ohne dass etwas endet.

00:02:43: Die Pflanze, von der du erntest hat ihre Arbeit getan.

00:02:47: Das ist kein Verlust?

00:02:48: Das ist Sinn der Sache!

00:02:51: In der letzten Folge habe ich gesagt einen Neu-Einfang im Herbst beginn mit Weglassen nicht mithin zufügen und danach kamen bei mir Rückmeldungen die fast alle in dieselbe Richtung gingen.

00:03:02: so sinngemäß schön und gut.

00:03:05: aber was wenn ich nicht los lassen will?

00:03:09: Was wenn ich Angst habe dass dann nichts mehr da ist?

00:03:14: Fangen wir mit dem Unterschied an.

00:03:16: Denn ich glaube, dass hier das ganze Missverständnis sitzt.

00:03:20: Verlust passiert dir Loslassen entscheidest du.

00:03:26: Das ist kein Wortspiel, das ist ein klarer Unterschied.

00:03:30: Bei einem Verluste wirst Du überrollt Jemand geht Etwas endet Eine Diagnose kommt Ein Job fällt weg Du hast nichts zu sagen, es passiert einfach.

00:03:43: Beim loslassen bist Du diejenige, die entscheidet.

00:03:47: Du hältst etwas in der Hand, zum Beispiel jetzt die dunkelgrüne Bluse und du legst sie hin.

00:03:54: Der Zeitpunkt gehört dir – und die Art und Weise gehört dir!

00:03:59: Und weil unser Nervensystem beides zuerst gleich verarbeitet….

00:04:05: Da war etwas... Jetzt ist es weg?

00:04:07: Verwechseln wir die zweiständig.

00:04:10: Der Kopf weiß dass du entschieden hast.

00:04:14: Der Körper meldet erstmal nur Abwesenheit.

00:04:19: Deshalb fühlt sich freiwilliges Loslassen manchmal an wie ein Verlust, obwohl es das Gegenteil ist.

00:04:27: Es gibt übrigens einen gut untersuchten Effekt in der Psychologie dazu Menschen bewerten einen Verluste regelmäßig schwerer als sie einen gleich großen Gewinn bewerten.

00:04:39: Etwas abzugeben tut mehr weh als dasselbe zu bekommen.

00:04:43: guttut Das ist jetzt keine Charakterschwäche, das ist einfach eingebaut.

00:04:49: Wenn dir loslassen also Schwerfeld bist du nicht so schwach Du bist einfach nur normal ausgestattet.

00:04:58: Und jetzt wird es interessant, denn meistens halten wir gar nicht das fest was wir in der Hand haben.

00:05:05: Ich habe nicht die Bluse damals behalten.

00:05:07: ich hab eine Version von mir behalten Eine Frau die damals dachte sie brauche so ein Kleidungsstück für das Leben dass noch kommen würde.

00:05:19: und solange die bluse im schranking war diese frau irgendwie noch da So als Möglichkeit, als offene Tür.

00:05:28: Und genau das ist der Mechanismus und du findest ihn überall!

00:05:33: Du hältst an einem alten Beruf fest – nicht am Beruf sondern an der Sicherheit die er mal bedeutet hat.

00:05:41: Du hältest an einem Streit fest – Nicht am Streit sondern in der Version der Geschichte in der du recht hattest.

00:05:52: Du helst an einer Freundschaft fest die seit Jahren einseitig läuft Nicht an der Freundin, sondern an der Zeit in der sie es nicht war.

00:06:04: Du hältst dann eine Erwartung fest, die dir jemand vor zwanzig Jahren mitgegeben hat – nicht an der Erwartungen, sondern on der Hoffnung dass dieser Mensch irgendwann zufrieden ist.

00:06:17: Merkst du was passiert?

00:06:20: Wir halten fast nie das Ding fest!

00:06:22: Wir erhalten die Bedeutung fest ,die daran hängt Und deshalb funktioniert ausmisten alleine auch nicht.

00:06:31: Du kannst die Bluse wegwerfen und die Frau von damals trotzdem behalten.

00:06:36: Umgekehrt geht es übrigens auch, du kannst sie behalten und trotzdem loslassen was sie bedeutet hat.

00:06:45: Es geht nicht um den Schrank, es geht um das was du dir erlaubst.

00:06:51: Und damit sind wir bei der eigentlichen Frage Wenn du loslässt was bleibt dann?

00:06:59: Ich habe dazu drei Antworten und die dritte ist die, die mir am wichtigsten ist.

00:07:06: Erstens was du gelernt hast bleibt diese Frau von damals, die die Bluse gekauft hat.

00:07:16: Die ist nicht weg wenn die bluse weg ist.

00:07:19: sie ist in mir.

00:07:21: Alles was ihr erlebt hat Was sie sich getraut hat was sie falsch gemacht hat Ist in die frau eingegangen die heute hier sitzt.

00:07:32: Erfahrung ist nicht den Gegenständen gespeichert, sie ist in dir gespeicher.

00:07:37: Du kannst nicht verlieren was du geworden bist.

00:07:42: Zweitens die Beziehung zu dir selbst bleibt und wird meistens besser.

00:07:49: Jedes Mal wenn du etwas loslässt das dir nicht mehr gut tut sagst du dir selbst leise etwas.

00:07:58: ich nehme wahr was ich brauche und ich handle danach.

00:08:05: Das ist eine kleine Bewegung Aber sie summiert sich.

00:08:09: Frauen, die anfangenlos zu lassen beschreiben nach ein paar Monaten oft nicht dass ihr Leben leichter geworden ist.

00:08:17: Sie beschreiben das sie sich selbst mehr vertrauen.

00:08:24: Drittens und das ist der Punkt Der Platz bleibt.

00:08:30: Das klingt banal Ist es aber nicht.

00:08:34: Wenn du etwas ablegst entsteht kein Loch Es entsteht ein freier Platz.

00:08:41: Dieser Unterschied ist entscheidend.

00:08:44: Ein Loch ist etwas, was gefüllt werden muss.

00:08:48: Ein freier Platz ist etwas ,was da sein darf ohne dass sofort etwas hineinkommt.

00:08:55: und ich möchte dich ausdrücklich ermutigen diesen Platz erst mal leer zu lassen!

00:09:02: Nicht sofort ein neues Projekt nicht sofort eine neue Aufgabe nicht sofort Eine neue Bluse nur Platz.

00:09:12: Der Baum steht ja auch den ganzen Winter ohne Blätter da.

00:09:15: Er füllt nix nach, er wartet!

00:09:19: Ich möchte dir heute eine kleine Übung mitgeben die etwas Überraschendes macht.

00:09:27: Sie dreht das Loslassen um und sie heißt der ich darf Zettel.

00:09:36: Bisher haben wir die ganze Zeit über das Weglassen gesprochen.

00:09:40: Diese Übung geht genau andersrum.

00:09:43: Du schreibst nicht auf was gehen soll Sondern du schreibst auf, was du dir ab jetzt erlaubst.

00:09:52: Zum Beispiel Ich darf Pausen machen oder ich darf Nein sagen ohne es zu begründen!

00:10:03: Ich darf eine Sache heute nicht erledigen.

00:10:07: Ich darf etwas nicht mehr mögen das sich früher mochte.

00:10:13: Ich Darf mich verändern.

00:10:16: Nimm dir mal ein Zettel und schreibe deine eigenen Sätze auf.

00:10:20: fünf oder zehn.

00:10:22: So viele du willst!

00:10:23: Sie fangen alle mit, ich darf an und dann – das ist der wichtige Teil – hängen den Zettel irgendwo hin wo du ihn täglich siehst.

00:10:35: An dem Kühlschrank oder an den Spiegel in den Kalender.

00:10:39: leg ihn nicht in eine Schublade.

00:10:42: Warum dieses Prinzip funktioniert?

00:10:45: Erlaubnis fühlt sich anders an als Vorsatz.

00:10:50: Ein Vorsatz verlangt etwas von dir.

00:10:53: Eine Erlaubnis öffnet eine Tür und ob du hindurch gehst, entscheidest du an dem Tag, an dem du davor stehst.

00:11:02: Fast jedes Loslassen fängt mit einem.

00:11:05: Ich darf an!

00:11:08: Ich darf das hier hinlegen.

00:11:10: ich darf aufhören das zu tragen Wenn du schon im Wolfsfrau-Kreis bist, am Sonntag wartet dort genau diese Übung als Wochenimpuls mit der kompletten Anleitung.

00:11:24: Eine Sache noch und die ist mir wichtig weil sie oft übersehen wird Loslassen sieht nicht bei allen gleich aus!

00:11:33: Und der häufigste Fehler den ich beobachte ist dass Frauen sich das loslassen einer anderen vornehmen.

00:11:42: wenn du gerade völlig erschöpft bist dann isst Lass doch die alten Erwartungen los, keine Hilfe.

00:11:51: Du hast dann keine Kraft für ein Projekt namens Loslassen!

00:11:56: Für dich wäre an der Stelle der erste Schritt einmal nichts dazu zu nehmen.

00:12:03: Wenn du dagegen viel trägst was gar nicht deins ist Dann geht es bei dir zuerst ums erkennen Nicht abgeben sondern sehen was da überhaupt alles auf deinen Schultern liegt.

00:12:18: Und wenn du gerade suchst, wenn du spürst dass ich etwas verändern möchte aber du weißt nicht wohin?

00:12:25: Dann ist das loslassen für dich fast der Kern der Sache.

00:12:30: Genau das is dein Prinzip im Hier und Jetzt Leben stattdich in Möglichkeiten zu verlieren.

00:12:37: Deshalb gibt es das Wolfsfrau Quiz Zehn Fragen Kein richtig kein falsch Nur eine ehrliche Momentaufnahme welcher der fünf Wolfs Frauen die er jetzt gerade am nächsten ist.

00:12:51: Die Erschöpfte, die Tragende, die Suchende, die Wachende oder die Rückkehrende?

00:13:00: und weil kein Typ für immer gilt es lohnt sich das Quiz zweimal im Jahr zu machen – die meisten Frauen wandern in der Zeit!

00:13:09: Den Link zum Quiz findest du in den Shownotes.

00:13:13: Wer tiefer einsteigen möchte?

00:13:16: Für die Suchenden gibt's seit diesem Monat den ersten Wolfsfrau Kompass Im Hier und Jetzt Leben.

00:13:23: Er nimmt genau das Thema dieser Frage und macht zwölf Kapitel daraus, aber der Reihe nach erst schauen wo du stehst.

00:13:33: Übrigens was ich mit der Bluse gemacht habe will es vielleicht auch noch wissen.

00:13:38: Ich hab sie weggegeben Nicht sofort.

00:13:41: Sie lag noch drei Tage auf dem Stuhl Aber dann ist sie in den Kleidersack gewandert.

00:13:48: Und was mich überrascht hat Es hat sich nicht nach Verlust angefühlt.

00:13:53: Es hat sich eher so angefühlt, als hätte ich eine alten Freundin gesagt es ist okay dass du gehst.

00:13:59: Und der Platz im Schrank ist übrigens auch immer noch leer und ich lass ihn erstmal so.

00:14:05: In zwei Wochen geht es weiter.

00:14:08: Dann sprechen wir über etwas das in Oktober fast alle betrifft Den Unterschied zwischen Rückzug und Erschöpfung.

00:14:18: Die fühlen sich von außen zwar gleich an sind aber beim Innen genau das Gegenteil.

00:14:25: sei sanft mit dir.

00:14:27: Und wenn du morgen an Marbon denkst, feiere ruhig beides was gewachsen ist und das was geht.

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